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Techfugee-Hackathon: 29 Stunden Hacken bei trivago

Der dritte trivago Hackathon – dieses Jahr in Zusammenarbeit mit Techfugees – fand vom 18. bis zum 19. November 2017 im trivago-Headquarter in Düsseldorf statt. Gesucht wurden kreative und innovative Entwickler und Designer. Mehr als 50 Teilnehmer entwickelten über 29 Stunden Produkte und Services, um Geflüchteten mit technischem Hintergrund den Wiedereinstieg in die Tech-Branche zu erleichtern. Mit dabei waren unsere beiden Entwickler Robin und Christoph. Im Interview sprechen sie über ihre Erlebnisse und Erfahrungen.

Wie seid Ihr auf den Hackathon von trivago aufmerksam geworden? Warum habt Ihr Euch beworben?

Robin: Ich habe schon in den vergangenen beiden Jahren an den Hackathons von trivago teilgenommen und fand die eigentlich immer ganz gut. Ein bisschen was lernen, Leute treffen und Kontakte knüpfen. trivago ist bei mir um die Ecke, das ist echt praktisch. Die Teilnehmer sind aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland angereist. Warum sollte man da nicht hingehen? Deswegen hab ich Christoph gefragt, ob er nicht auch Lust hätte, dieses Jahr mitzumachen.

Christoph: Das war mein erster Hackathon und ich hatte da einfach mal Lust zu. Ich fand den Gedanken ganz interessant, die Nacht durchzumachen und die ganze Zeit in einer Gruppe zu programmieren, die man gerade erst kennengelernt hat. Ich dachte, da könnte ich gut was lernen und neue Leute treffen.

Wie liefen die ersten Stunden ab?

Christoph: Morgens um halb neun haben wir uns bei trivago in Düsseldorf getroffen. Dort wurden wir von der Security empfangen und bekamen unsere Lanyards. Dann ging es nach oben ins Büro. Es war ein kleines Frühstücksbuffet vorbereitet, an dem wir uns bedienen konnten. So sind wir mit den ersten Leuten ins Gespräch gekommen. Gegen neun Uhr startete die Begrüßungspräsentation. Es gab auch ein kleines Care-Paket.

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Robin: Das Care-Paket war wirklich eine nette Aufmerksamkeit. Das gab es die beiden letzten Male nicht. Da waren Dinge bei, die wir wirklich gut benutzen konnten. Da hat nicht nur jemand in die Merchandise-Kiste gegriffen, sondern sich wirklich Gedanken gemacht, was die Teilnehmer so über das Wochenende brauchen können.

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Wie wurden die Projekte vorgestellt? Wie haben sich die Teams gebildet?

Robin: In der Präsentation haben die Organisatoren erklärt, was Techfugees überhaupt machen und welche Probleme sie haben. Danach konnte jeder nach vorne gehen, innerhalb einer Minute seine Idee vorstellen und sagen, was für Leute er noch braucht. Wenn etwa ein Backend-Entwickler eine Idee vorstellt, braucht er in der Regel noch jemanden, der sich um das Frontend kümmert oder einen Designer. Die Ideen waren nicht komplett ausgearbeitet, sondern nur grobe Entwürfe. So was wie: „Ich würde gerne das LinkedIn für Geflüchtete machen“. Fand man eine Idee gut, ist man zu den Leuten gegangen und hat zusammen eine Gruppe von maximal sechs Leuten gebildet. Die genaue Ausarbeitung fand dann in diesen Gruppen statt.

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Ich würde gerne das LinkedIn für Geflüchtete machen.

Was war Eure Projektidee und mit wem habt Ihr zusammengearbeitet?

Christoph: Joschka hatte die Idee vorgestellt, einen Shop aufzuziehen, in dem Unternehmen ihre alte Hardware Geflüchteten spenden konnten. So eine ähnliche Idee hatte Robin auch ein paar Tage vorher. Da hab ich gesagt, komm, lass uns doch da mit machen. Joschka stand mit Sebastian schon zu zweit vorne. Die beiden kannten sich auch schon. Marvin ist noch dazu gekommen. Zu fünft haben wir dann eine Gruppe gebildet.

Wie seid Ihr das Projekt im Team angegangen?

Robin: Wir haben zuerst ein bisschen Brainstorming gemacht und über die Grundidee gesprochen, um UX, Wireframes und Flowcharts aufzusetzen. In diesem Prozess haben wir uns überlegt, dass es sinnvoll wäre, die Idee noch weiter auszubauen. Anstatt nur eine Seite zu entwickeln, auf der Unternehmen ihre Hardware spenden können, wollten wir das Ganze mit kleinen Challenges verbinden. Eine Art kleine Herausforderung oder Aufgabe von den Unternehmen an die Geflüchteten. Wie ein kleiner Mini-Hackathon. Das hatten wir noch nicht auskonzipiert.

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Die Idee war aber, dass die Geflüchteten nach Erfüllung der Challenge die Hardware nicht nur nutzen, sondern auch mit den Unternehmen in Kontakt treten können, um ihr Projekt vorzustellen, so eine Art Bewerbungsgespräch. Quasi eine Win-win-Situation für Geflüchtete und Unternehmen: Die Techfugees erhalten eine Aufgabe, bekommen Hardware und können sich ein bisschen weiterbilden. Die Unternehmen hingegen können neue Bewerber finden und erhalten Ideen von Personen, die in der Regel einen ganz anderen Hintergrund als die üblichen Mitarbeiter haben.

Wer hat sich um was gekümmert?

Christoph: Joschka hat sich um das Backend gekümmert. Marvin hat den Server aufgesetzt, die Domain bestellt und später auch am Backend mitgearbeitet. Das Frontend haben Sebastian, Robin und ich bearbeitet. Robin hat auch noch Wireframes und die Präsentation gebaut. Wir drei Frontend-Entwickler haben zu Beginn ein bisschen gepairt und grob alles aufgebaut. Danach konnten wir uns aufteilen. Das lief dann so ab, dass der eine gesagt hat, ich mach das, und der andere, ich kann dies erstellen. Dabei saßen wir die ganze Zeit im gleichen Raum und haben ständig miteinander gesprochen. Zwischendurch kamen immer mal wieder Fragen auf. Das war schon manchmal ein ziemliches Chaos: push mal, verdammt, ich habe was vergessen, da ist noch ein Fehler drin. Es war aber auch immer sehr spaßig. Wir haben uns beispielsweise lustig gemacht über die Commit-Messages, die wir so geschrieben haben.

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Was habt ihr am Hackathon anders gelöst als im Arbeitsalltag?

Robin: Das Ding ist, dass du nur schlechten Code an einem Hackthon schreibst, den du nie mehr wiederverwenden oder warten könntest. Angenommen, du willst irgendwann daran weiter bauen, musst du den Code eigentlich komplett wegschmeißen und von Neuem anfangen, weil du nichts mehr wiederfindest. Das ist aber für den Rahmen von zwei Tagen auch ganz normal. Es wird alles schnell irgendwo hin geklatscht, Hauptsache, es funktioniert. Bei Hackathons hat niemand den Anspruch, einen schönen Code zu schreiben.

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Bei Hackathons hat niemand den Anspruch, einen schönen Code zu schreiben.

Wie habt Ihr Euer Projekt den anderen Teilnehmern und der Jury präsentiert?

Robin: Gestartet haben wir mit einer PowerPoint-Präsentation unseres Projekts donatugee.de, in der wir auf Probleme der Geflüchteten und Unternehmen eingegangen sind. Wir haben unsere Lösungen sowie die Benefits für beide Parteien vorgestellt. Wir haben auch eine Demo erstellt, um den Anmeldeprozess zu zeigen und alle Funktionen durchzulaufen. Das hat auch super geklappt.

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Christoph: Wir haben so ein kleines „Rollenspiel“ in unsere Präsentation eingebaut. Sebastian war der Techfugee und ich war das Unternehmen. Man hat also aus deren Sicht gesprochen. Ich fand es interessant, auf Englisch zu präsentieren. Generell spreche ich ja nicht so viel Englisch und dann direkt mal zu präsentieren, war schon eine Herausforderung.

Robin: Bei der Demo lief das in etwa so ab. Zunächst musste sich Christoph als Unternehmen anmelden. Danach konnte er eine Challenge erstellen. Dafür musste er angeben, was die Inhalte sind und welche Ressourcen gestellt werden. Neben der Hardware konnte auch Software angeboten werden. Da haben wir uns zunächst auf Online-Kurse wie Codeacademy fokussiert.

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Nachdem Christoph alles ausgefüllt hatte, wurden die Seiten gewechselt. Sebastian ist stellvertretend für den Techfugee auf die Seite gekommen und konnte sehen, welche Challenges es im Moment gab – unter anderem die, welche wir gerade erstellt hatten. Wollte er daran teilnehmen, musste er sich dafür anmelden. Der Anmeldeprozess sah etwas anders aus. Da wir beispielsweise sichergehen wollten, dass es sich auch tatsächlich um einen Techfugee handelte – also einem Geflüchteten mit technischem Hintergrund –, haben wir etwas spaßige Tech-Fragen gestellt.

Nachdem Sebastian den Prozess erfolgreich durchlaufen hatte, konnte er sich für die Challenge anmelden. Die Firma hat dann die Bewerbung bekommen und konnte sagen, okay, finde ich cool, und annehmen. Danach lag es am Unternehmen und dem Techfugee, sich zu connecten, um die Hardware abzuholen oder ein Bewerbungsgespräch zu führen.

Wie habt Ihr Euch gefühlt, als ihr den Preis für den dritten Platz entgegengenommen habt?

Robin: Wir haben als Viertes präsentiert. Bis zu unserem Vortrag hatte ich eigentlich ein ganz gutes Gefühl. Aber nach uns kamen Gruppen, die richtig gute Sachen gezeigt haben. Die haben am Ende auch teilweise gewonnen. Die Kriterien, nach denen wir bewertet wurden, haben uns die Organisatoren schon im Vorhinein mitgeteilt. Zum Beispiel spielten technische Umsetzung, Präsentation als auch das Innovationspotenzial eine wichtige Rolle. Wir wussten also, was als Grundlage herangezogen wurde. Darum habe ich auch nicht damit gerechnet, dass wir dann doch so gut abschneiden.

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Christoph: Ich hatte auch nicht erwartet, dass wir den dritten Platz belegen. Wir hatten noch scherzhaft gesagt, wir werden Vierter. Die Präsentation vom ersten Platz fand ich echt cool. Die haben auch ein Rollenspiel vorgetragen, aber so richtig mit Acting. Der Techfugee hat sich der App vorgestellt und ein Selfie gemacht. Er musste sagen, wie er heißt und wo er herkommt. Das wurde alles sofort in die Bewerbung eingetragen, welche automatisch in alle Sprachen übersetzt wurde. Die Features waren wirklich nicht schlecht. Die Gruppe hatte viele APIs eingebunden. Das sieht dann natürlich beeindruckend aus.

Was nehmt Ihr für Euch aus den beiden Tagen mit?

Robin: Im Frontend haben wir Vue.js benutzt, was ein JavaScript-Framework ist. Das nutzen wir auch manchmal bei uns. Ich hatte damit aber noch nicht so viel Erfahrung. Es war echt gut, das Framework nochmals zu benutzen, und auch zu schauen, wie andere Leute damit arbeiten. Der Sebastian hatte beispielsweise das Projekt aufgesetzt und das ein bisschen anders gemacht als wir. Es hat echt geholfen, zu sehen, wie im selben Framework andere Projektstrukturen aufgebaut werden können.

Was ich zudem gemerkt habe: Wenn du ein starkes Team hast, kannst du sehr viel sehr schnell umsetzen. Speziell beziehe ich mich auf Sepp und Joschka, die beide Kollegen sind und zusammenarbeiten. Die waren zusammen wirklich schnell. Wenn man ein funktionierendes Team hat, auch wenn es nur zwei Leute sind, kann das eine ganze Dev-Abteilung von fünf Leuten ersetzen. Außerdem hat mir der Hackathon nochmals verdeutlicht, wie gut man im Pairing arbeiten kann. Das will ich in Zukunft auch häufiger machen. Im Raum schwirrt ja immer so der Gedanke, dass man dann langsamer ist, das ist aber nicht der Fall.

Christoph: Ich habe gesehen, wie schnell man mit der Tastatur im Editor sein kann. Der Sebastian war echt fix. Ich muss auch mal ein paar Shortcuts lernen. Damit hab ich auch schon ein bisschen angefangen. Und die Programmiersprache Go könnte man eventuell auch mal bei uns einsetzen, um eine REST API zu bauen. Die haben wir benutzt und ich fand die echt interessant. Ansonsten hat mir die Zusammenarbeit Spaß gemacht und dass ich von der Erfahrung der anderen viel lernen konnte.

Seid ihr im nächsten Jahr wieder dabei?

Christoph: Wir haben auf jeden Fall die Nummern von den anderen. Wir haben auch besprochen, wenn mal wieder ein Event ist, sagen wir Bescheid oder andersrum. Der Hackathon bei trivago ist absolut eine Option im nächsten Jahr!

Vielen Dank an Das mechanische Auge für die Bereitstellung der Fotos.

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