Service-& User Experience Design

Should Designers Timebox? Die Suche nach einem agileren Designprozess

Designer nutzen die Methode Timeboxing um ihre Zeit einzuteilen

Zeitfenster festlegen, Timer starten und los geht’s. Timeboxing ist eine gute Methode, um ohne unnötige Zeitverschwendung schnell zu Ergebnissen zu kommen. Bei Me & Company setzen wir den TimeTimer in erster Linie in Retrospektiven, Workshops und Daily Stand-ups ein. Doch auch in anderen Bereichen kann es durchaus Sinn machen, die vorhandene Zeit zu stoppen.

Für mich als Interface Designer ist eine der schwierigsten — wenngleich auch spannendsten — Aufgaben das Konzipieren und Ausarbeiten von gänzlich neuen Designkonzepten. Intern nennen wir ein solches Grundkonzept “Initialdesign”. Also ein Design, das grundlegende Elemente und Stilrichtungen festlegt, aber nicht ins kleinste Detail ausgearbeitet ist. Das bringt kreative Freiheit mit sich, macht die Aufgabe aber nicht leichter. Denn in der Praxis hat sich gezeigt, dass es unglaublich schwer ist “aus dem Nichts” etwas komplett neues zu entwickeln.

Darum habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wie wir unseren Designprozess verbessern können. Letztendlich haben wir durch Timeboxing eine Methode gefunden, die uns bei der Erstellung von UX/UI Designs wesentlich produktiver und die Qualität unserer Ergebnisse nachhaltig verbessert hat.

Designer bei der Arbeit nutzt eine Stopuhr zum Timeboxing

Timeboxing to the rescue

Zu Beginn ist es wichtig, dass zwei Personen (Designer) als Peers zusammenarbeiten. Die Methode funktioniert nur, weil es einen ständigen Austausch unter den Peers gibt. Das regt die Kreativität an und verhindert unproduktive Denkblockaden. Obwohl beide Designer am gleichen Problem/Projekt arbeiten, sollten sie bewusst komplett andere Stilrichtungen einschlagen. So erhält man automatisch mindestens zwei alternative Designs. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es besonders für Kunden ein großer Mehrwert ist, sich aus mehreren Entwürfen “das Beste” aussuchen zu können.

Ausgehend vom UX-Design bzw. vom Konzept, teilt man das Projekt als Nächstes in einzelne Module oder Elemente auf. Wir arbeiten nach dem Atomic Design Prinzip. Daher ist unser UX-Design meistens schon in entsprechende Moleküle, Organismen und/oder Templates aufgeteilt.

Beide Designer gestalten nun das gleiche Modul/Element in genau 30 Minuten. Danach bespricht man die Entwürfe, erhält Feedback und holt sich Ideen. Es ist wichtig, dass beide zur selben Zeit das gleiche Element gestalten. Wir sind immer wieder überrascht, wie verschieden die Ergebnisse für ein und dasselbe Element ausfallen können. Das sorgt für Inspiration und konkretes Feedback, da man den Gesamtkontext versteht.

Eine Iteration mit Feedback und neuer Ideenphase dauert so rund 35 Minuten. Oftmals hat man nach 2–3 Iterationen ein Element durchgestaltet und widmet sich dem nächsten. Wir ziehen diesen Ablauf meistens zwei Tage lang durch und haben am Ende ca. 24 Gestaltungsphasen hinter uns. Das reicht aus, um ein tragfähiges Initialdesign auf die Beine zu stellen.

Und nochmal zusammengefasst:

  1. Group: Teams bilden aus min. 2 Personen. Das sorgt für heterogene Ergebnisse und kurbelt die Inspiration an. Mehr Spaß macht es sowieso. ¯\_(ツ)_/¯
  2. Outline: Einen Überblick über die Module/Elemente verschaffen und diese sinnvoll einteilen. Falls noch nicht bekannt, ist Atomic Design eine gute erste Anlaufstelle.
  3. Timebox: Jeder gestaltet das gleiche Element, hat aber nur 30 Minuten Zeit. Danach bespricht man die Ergebnisse und gibt Feedback. Das sollte nicht länger als 5 Minuten dauern. Danach geht’s zum nächsten Element.
  4. Repeat: Schritt 3 solange wiederholen, bis man mit den Ergebnissen zufrieden ist oder keine Zeit mehr hat. Meistens reichen 2-3 Tage aus. Je nach Aufgabe und Kontext kann man mehr oder weniger Zeit benötigen.
  5. Celebrate: Zack feddisch!

Die TimeTimer Stopuhr

Aber Kreativität lässt sich doch nicht timeboxen?

Stimmt! Das ist auch nicht das Ziel. Vielmehr haben wir gemerkt, dass man durch die kleinen 30-minütigen Sprints fokussierter arbeiten kann. Plötzlich ist es nicht mehr von Bedeutung, ob ein Element perfekt in das „12 Spalten Raster“ passt oder der Farbton noch nicht sitzt. Man konzentriert sich auf das Wesentliche und gestaltet nur das, was wirklich für die Visualisierung der Idee nötig ist. Nicht vergessen: Es geht darum eine grundlegende visuelle Stilrichtung zu finden und nicht ein perfekt ausgearbeitetes User Interface hinzulegen. Das kommt später.

Wir haben außerdem festgestellt, dass wir so wesentlich konzentrierter und reibungsloser arbeiten. Durch den ständigen Austausch und den dadurch entstehenden positiven Druck (schließlich muss man etwas vorweisen wenn der Timer klingelt), hat man keine Zeit für Social Media oder WhatsApp-Nachrichten.

Das richtige Werkzeug gibt es nicht

Da die Zeit sehr begrenzt ist, sollte man Tools verwenden, in denen man sich zu Hause fühlt. Wichtig ist nur, dass man ein Programm nutzt, in dem man schnell und komfortabel arbeiten kann.

Außerdem müssen nicht alle teilnehmenden Designer das gleiche Tool nutzen. Sollte es später in die Ausarbeitung des “richtigen” Designs gehen, kann man sich immer noch auf ein gemeinsames, teamübergreifendes Tool einigen. Wir nutzen mittlerweile sehr gerne Adobe XD, weil dort die Handhabung sehr flüssig von der Hand geht und es darauf ausgelegt ist, schnell Ideen zu visualisieren.

Timeboxing – nicht nur im Interface Design sinnvoll

Zugegeben: wir haben keine magische Methode erfunden, die die Design-Community auf den Kopf stellen wird. Jedoch hat sich diese Vorgehensweise bei uns bewährt und zeigt, dass man den TimeTimer durchaus auch in anderen Zusammenhängen als Meetings, Retros oder Workshops einsetzen kann. Zudem kann der hier beschriebene Prozess nicht nur für Initialdesign angewendet werden. Genauso gut könnte man (Papier)-Prototypen, Logos oder Wireframes damit erstellen.

Natürlich kann und sollte diese Methode nicht auf alle Designprozesse angewendet werden. Manchmal muss man sich eben Zeit nehmen und Dinge umfassend ausgestalten. Braucht man aber in kurzer Zeit viele verschiedene Entwürfe und Feedback-Schleifen, hat man mit Timeboxing eine wunderbare Möglichkeit diesen Prozess zu unterstützen.

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