Service-& User Experience Design

Mit Prototyping interne Stakeholder überzeugen

Produktvisionen und neue Ideen bis zur Realisierung zu führen – das ist der Wunsch eines jeden Produktmanagers und Innovationstreibers im Unternehmen. Stakeholder sind im Entwicklungsprozess einer der wichtigsten Einflussfaktoren. Sie entschieden darüber, ob ein Produkt letztendlich erfolgreich auf den Markt gebracht wird oder nicht. Mit Prototyping können Entscheidungsträger von Produktideen überzeugt werden.

Am Anfang war der Nutzer, am Ende die Realität

Die Bedeutung von User- und Customer Experience ist längst in Unternehmen angekommen. Ein positives Nutzer- und Kundenerlebnis ist die Basis für ein erfolgreiches Produkt oder einen guten Service. So steht am Anfang jeder Idee die eine wichtige Frage: Was hat der Nutzer von dem Produkt?

Dass diese Frage schnell in den Hintergrund rückt, zeigt die Realität in vielen Unternehmen. Im Laufe des Entwicklungsprozesses warten altbekannte Barrieren. Die Entwicklung neuer Produkte wird durch starre Prozessstrukturen, technische Limitierungen und Ressourcenengpässe erschwert. Das führt dazu, dass gute Ideen und Visionen frühzeitig begraben werden, da die Entscheidungsträger die Risiken nicht richtig einschätzen können. Gerade in großen Unternehmen müssen viele Stakeholder überzeugt werden. Jeder will es jedem recht machen. Es werden persönliche Befindlichkeiten berücksichtigt und weitere Anforderungen zur Sicherheit noch mit ins Lastenheft geschrieben, bis dieses zu einem undurchsichtigen, aufgeblähten Konstrukt wird. Der wichtigste Punkt, nämlich den Nutzer in den Mittelpunkt der Entwicklung zu stellen, gerät dabei vollkommen in Vergessenheit. Niemand kann bei derartigen Barrieren den eigentlichen Wert der Produktidee vermitteln. Mit Prototyping können diese Barrieren umgangen und interne Stakeholder überzeugt werden.

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Juhan Sohin – https://flic.kr/p/kcy1qm (CC-BY-2.0)

Prototyping: einfache, schnelle Visualisierung

Durch Prototyping werden Produktvisionen im Entwicklungsprozess frühzeitig erlebbar. Sie bilden eine visuelle Alternative zum klassischen Lastenheft. Während der Prototyp entsteht, finden wir heraus, welche Fragen wir beantworten müssen. Wir müssen frühzeitig kleinste Entscheidungen treffen und können feststellen, ob eine Idee überhaupt sinnvoll ist.

Prototyping = Ideen teilen

Im strukturierten, gemeinsamen Arbeiten mit den relevanten Stakeholdern können Ideen entwickelt und geteilt werden. Kein Software-Tool, kein Abstimmungsmeeting ist so effizient wie Teamarbeit an einem Tisch. In einem einzigen Treffen können Probleme identifiziert und erste Lösungsansätze gefunden und priorisiert werden.

Prototyping = Ideen testen

Ein Prototyp bietet die einzigartige Möglichkeit, Interaktionen direkt in diesem auszuprobieren. Durch das interaktive Erleben fallen umfangreiche Erläuterungen zum Produkt weg. Alle Beteiligten bekommen ein gemeinsames Verständnis vom zukünftigen Produkt.

Prototyping = Dokumentieren

Durch das Dokumentieren des Prozesses mithilfe von Blueprints oder Projektboards lassen sich viel effizienter Zusammenhänge herstellen und es kann herausgefunden werden, was wirklich benötigt wird.

Prototyping = Überzeugen

Je nach Schwerpunkt und Kontext erzählen Prototypen gute Geschichten mit Protagonisten und Problemen, die für Stakeholder nachvollziehbar sind. Mit Storyboards kann der Mehrwert der Idee für Nutzer und Unternehmen greifbar gemacht werden. Ein schönes Beispiel ist Dropbox. Bevor der Dienst überhaupt verfügbar war, hat man allen Interessierten in einem kurzen Video erzählt, wie das Ganze später funktionieren soll. Es zeigt, welches relevante Nutzerproblem gelöst wird. Schon bevor das Produkt fertig war, hatte Dropbox bereits mehrere Tausend registrierte Nutzer.

Einfach mal ausprobieren

Je nach Kontext und Umfang können mit Prototypen neue Potenziale identifiziert und Nutzer- bzw. Kundenbedürfnisse besser verstanden werden. Prototypen liefern eine wichtige Beratungs- und Entscheidungsgrundlage, um komplexe Anforderungen und Budgetrahmen für die Entwicklung zu definieren. Stakeholder sind nicht länger nur Abnicker, sondern aktive Teilhaber. Wir erreichen Stakeholder Engagement anstelle eines reinen Buy-In. Der Mehrwert von Prototyping liegt demnach nicht nur im Ergebnis, sondern im Lernprozess. Prototypen sind kein Kostenfaktor, sondern eine sinnvolle Investition in einen gemeinsamen Lernprozess für alle Beteiligten.

Ganz nach dem Motto von Peter Drucker: „Wenn Sie etwas Neues tun wollen, müssen Sie aufhören, etwas altes zu tun“. Starten Sie (am besten noch heute) mit Prototyping!

 

Quelle Titelbild: Juhan Sonin – https://flic.kr/p/khG73Y  (CC-BY-2.0)

Kategorie Themen:

Methoden, Prototypen, UX

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